Rückblick Französische Wochen 2016

Vom 12. bis 23. Oktober 2016 wurde wieder gesungen, getanzt, Theater gespielt, gelacht, zahlreichen Musikern, Experten und Schriftstellern gelauscht und mit geschätzten 10.000 Besuchern die französische Kultur genossen. Kurzum: Das Institut francais Stuttgart blickt auf eine erfolgreiche Ausgabe der 17. Französischen Wochen mit rund 70 Veranstaltungen zurück. Mit den zahlreichen Kooperationspartnern konnten tolle Projekte umgesetzt werden, die nicht nur in der Stuttgarter Innenstadt, sondern auch in der Umgebung Stuttgarts, unter anderem in Bietigheim-Bissingen, Fellbach und Schorndorf, großen Zuspruch beim Publikum fanden. Veranstaltungen, die aus verschiedenen Perspektiven auf kluge, ernste oder auch lustige Weise das Motto „Zusammenleben/Le Vivre-ensemble“ aufgegriffen haben und so zu einem regen Kulturaustausch beigetragen   haben.

Ob in den ausverkauften Sälen der Liederhalle, im Theaterhaus, oder im kleineren Kreis im Lindenmuseum oder auf dem Theaterschiff – es sind auch die verschiedenen Orte, die den Charme einer jeden Veranstaltung ausmachen und  Publikum und Akteure auf die unterschiedlichste Weise zusammenbringen. Dies hat auch in diesem Herbst wieder eine Vielzahl neuer Begegnungen und Entdeckungen ermöglicht, neue Perspektiven eröffnet und das kulturelle Zusammenleben um interessante und wertvolle Momente bereichert. 

Bereits die Auftaktveranstaltung stellte einen Höhepunkt der Französischen Wochen dar. Über 300 Gäste lauschten im Theaterhaus dem luftig-leichten Marimbakonzert mit dem Percussion Trio SR9.

 

Nicolas Eybalin, Leiter Institut français und Generalkonsul Frankreichs in Stuttgart
Trio SR9 "Bach au Marimba"
Trio SR9 "Bach au Marimba"
Auftakt Französische Wochen 2016

Die Auftaktbegegnung mit den drei charmanten Musikern zeigte eine originelle und ungewöhnlich leichte Auseinandersetzung mit dem Motto, das in diesem Jahr das „Zusammenleben/ Le Vivre-ensemble“ in den Fokus rückte. Ein komplexes Thema, das die Organisatoren im Hinblick auf die Umwälzungen und die aktuellen Entwicklungen in den Gesellschaften gewählt hatten und das dennoch, so ernst es im ersten Augenblick klingen mag, jede Menge Potenzial und Spielraum für ein vielfältiges Programm bot. So nahmen verschiedene Veranstaltungsformate musikalisch, theatralisch oder filmisch das alltägliche Zusammenleben zwischen verschiedenen Kulturen in den Blick, während sich Vorträge wie „Die Erfindung des Terrorismus in Europa“ die ernsten Seiten des Themas beleuchteten oder gar den Anspruch hatten, eine Lösung in Fragen der Flüchtlingskrise und Integration zu finden.

So kam es bereits einen Tag nach der musikalischen Interpretation des Zusammenlebens zu einem spannenden Austausch von Fritz Kuhn und Roland Ries aus politisch-urbaner Perspektive: Der Stuttgarter Oberbürgermeister und der Straßburger Bürgermeister thematisierten in einer Podiumsdiskussion im Stuttgarter Rathaus das „Zusammenleben in einer Stadtgesellschaft“ und sprachen über Mobilität, Willkommenskultur, Migration und Integration. In einem offenen Dialog versuchten sie außerdem Antworten auf die Fragen von Schülern der beiden Partnerstädte zu finden, die diese in vorangegangenen Workshops erarbeitet hatten. Begleitet von einem bunten Rahmenprogramm mit der Tanzperformance der Gruppe „Dancers across borders“ und deutsch-französischem Improvisationstheater stellte der Abend eine interessante Begegegnung für die über 300 Gäste dar.

Roland Ries, Fritz Kuhn "Zusammenleben in einer Stadtgesellschaft © Alex Wunsch
Tanzgruppe "Dancers across borders" © Alex Wunsch
Roland Ries, Ute Bruckner & Fritz Kuhn © Alex Wunsch
Voller Saal bei "Zusammenleben in einer Stadtgesellschaft" © Alex Wunsch

Zum Auftakt eines turbulenten Wochenendes kam es im Theater Rampe mit Pierre Meuniers „Au milieu du Désordre“ zu einer französisch-philosophischen Begegnung der besonderen Art. In kleiner Runde gingen die Zuschauer auf Tuchfühlung mit der grandiosen Steinsammlung des französischen Ausnahmeregisseurs, der sie mit seiner Inszenierung auf humorvolle Weise mit in seine komplexen, poetischen Gedankengänge über die Welt der Steine nahm.

Zu den diesjährigen Highlights im Institut francais gehörte die Video- und Performancenacht im Rahmen der stuttgartnacht am 15. Oktober. In diesem Jahr wurden 30 Jahre „Retour de Paris“ gefeiert, eine Ausstellungsreihe, die für das Institut français Stuttgart zu einem der fruchtbarsten künstlerischen Austauschprojekte zwischen dem Land Baden-Württemberg und Frankreich zählt. Unter dem Titel „Et pourtant elles bougent!“ bespielten zum Jubiläum zehn ehemalige Stipendiatinnen, die auch heute noch als Brückenbauerinnen zwischen Frankreich und Deutschland wirken, das Haus mit einzigartigen Videoinstallationen und Performances.

Pierre Meunier "Au Milieu du Désordre" © Alain Julien
Claude Horstmann bei der stuttgartnacht © Daniela Wolf
Performance von Ragani Haas bei der stuttgartnacht © Daniela Wolf
Staatssekretärin Petra Olschowski "30 Jahre Retour de Paris" © Daniela Wolf
Dorothea Schulz bei der stuttgartnacht © Daniela Wolf
Performance Oana Vainer bei der stuttgartnacht © Daniela Wolf

Für ausreichend Gesprächsstoff sorgte am 19. Oktober die marokkanisch-französische Autorin Saphia Azzedine mit ihrem Roman „Bilqiss“, der eine grundlegende, tabufreie Auseinandersetzung mit der Rolle der Frau im Islam beschreibt. Über den Dächern der Stadt fesselte sie die Besucher der Stadtbibliothek mit Ausschnitten aus selbigem und einem interessanten Gespräch mit Manfred Heinfeldner (SWR), der versuchte, mehr über ihre Motivation, Inspirationsquellen, vermeintlich politische Absichten und Hintergründe zu ihrem Buch herauszufinden.

Lesung & Gespräch mit Saphia Azzedine © Stadtbibliothek
Lesung & Gespräch mit Saphia Azzedine © Stadtbibliothek

Etwas leichter ging es tags darauf im Institut français zu: Dort wurden die Siegerbilder des Fotowettbewerbs „Nächster Halt: Frankreich“ gekürt und zugleich als Ausstellung an die Wand gebracht. Zu sehen war eine Auswahl der über den Sommer eingereichten kreativen Bilder und Texte zum Thema Reisen, Zugfahren und Frankreich. Die Gewinner, darunter auch eine Schulklasse, freuen sich nun auf ein Wochenende in Paris bzw. eine Klassenfahrt in die französische Metropole, wobei sie die neue TGV Verbindung Stuttgart – Paris testen und die französische Kultur hautnah erleben können. Die Bilder des Fotowettbewerbs finden Sie hier.

Auf reges Interesse stieß auch die von den Freunden des Instituts organisierte Filmvorführung mit
Azouz Begag. Nachdem die Anmeldegrenze bereits einige Tage im Voraus überschritten war, sahen schließlich rund 80 Interessierte, darunter eine ganze Schulklasse, den Film „Le Gone du Chaâba“, der auf dem gleichnamigen Roman des französischen Soziologen mit algerischen Wurzeln basiert. Eine interessante Begegnung, bei der Azouz Begag das Publikum mit seiner Biographie und seinem erfolgreichen Werdegang, der ihn unter anderem zum beigeordneten Minister für die Förderung von Chancengleichheit brachte, beeindruckte.

Preisverleihung "Nächster Halt: Frankreich"
Vernissage "Nächster Halt: Frankreich"
Vernissage "Nächster Halt: Frankreich"
Vernissage "Nächster Halt: Frankreich"
Azouz Begag "Le Gone du Chaâba"
Azouz Begag "Le Gone du Chaâba"

Doch nicht nur in Stuttgart, auch außerhalb waren verschiedene Veranstalter, Akteure und Freiwillige mit Elan an den Französischen Wochen 2016 beteiligt: So lockten in Tübingen die poetischen Fotografien der Ausstellung „Verdun – ein Jahrhundert für den Frieden 1916-2016“ die Besucher in eine ehemalige französische Kaserne, die heute Sitz der vhs Tübingen ist. In Filderstadt galt es Impressionen einer Provence-Reise zu entdecken, in Bietigheim-Bissingen wandelte Béatrice Ensinger bei einer Kostümführung auf den Spuren der Melusine, in Lenningen kam es zu einem kulinarischen Austausch bei savoir-vivre und schwäbischer Gemütlichkeit. An Bord des Theaterschiffs hingegen lud die Compagnie la Savaneskise zu einer poetisch-musikalischen Reise mit Apollinaire, Baudelaire und Rimbaud.

"Chanson & Poesie" Alain Fougeras
"Chanson & Poesie" Christophe Franz
Laure Chaubit und Tamara Honstetter im Café Künstlerbund

Ob in der Liederhalle, auf der großen Bühne der Oper oder in einer Studentenbar – über mangelnde Vielfalt konnten sich auch die Musikliebhaber nicht beklagen. Zu den diesjährigen Höhepunkten gehörten allen voran die klassisch-romantischen Klänge der französischen Meisterpianistin Hélène GrimaudCarmens Habanera in der Staatsoper oder auch ein „Hauch von Fremde“, den das Duo Jost Costa am Klavier mit Werken von Debussy, Ravel und Steve Reich, verbunden mit afrikanischen Trommelklängen, in die vhs stuttgart brachte. Das Thema des Zusammenlebens wurde auch im vollbesetzten Café Künstlerbund nochmals aufgegriffen: Mit Improvisationen und einer vielfältigen Musikauswahl von Mozart bis zum Phantom der Oper erlebten die Besucher eine musikalische Reise durch verschiedene Städte, Epochen und Sprachen. Ausverkauft waren auch die Ränge im Studio Theater beim französischen Chanson-Abend mit Alain Fougeras und Christophe Franz, die Chanson und Poesie verbanden. 

Die Jugend begegnete sich bei einem vom Stadtjugendring organisierten Streetdance-Projekt in der Louis-Leitz-Schule, bei dem 12 bis 17-Jährige aus den Partnerstädten Straßburg und Stuttgart ein Programm aus Hip-Hop, Breakdance und Theater-Elementen erarbeiteten und das Publikum am 20. Oktober mit einer neuzeitlichen Interpretation von Jean Anouilhs „Antigone“ überraschten.

Streetdance-Projekt Louis Leitz Schule © Stadtjugendring
Streetdance-Projekt Louis Leitz Schule © Stadtjugendring
Streetdance-Projekt Louis Leitz Schule © Stadtjugendring

Interaktiv ging es auch im Haus der Geschichte zu, wo sich Groß und Klein einen Nachmittag lang auf die Spuren der deutsch-französischen Geschichte begaben und sich im Museum-Duell kniffligen Rätselfragen stellten. Für die ganz Kleinen bot sich hingegen die Möglichkeit, die französische Sprache mit den spannenden „contes“ der professionellen Geschichtenerzählerin Odile Néri-Kaiser zu entdecken, während Kinder ab neun Jahren unter dem Motto „Spielen, Entdecken und Träumen mit der Französischen Sprache“ zum spielerischen Sprachenlernen eingeladen waren.

Nach zwölf Tagen geballtem französischem Kulturprogramm sorgte das Cinéconcert mit lebendig frischem Jazz des Straßburger Quartetts OZMA und Buster Keatons Stummfilmklassiker „Les Trois Âges“ am 22. Oktober schließlich für einen musikalisch-filmischen Abschluss im Literaturhaus. Der Stummfilmklassiker um die vergeblichen Liebesmühen des burlesken Helden griff das Zusammenleben und die damit verbundenen Schwierigkeiten zwischen Mann und Frau in verschiedenen Epochen auf humorvolle Weise auf und sorgte bei den rund 90 Zuschauern für zahlreiche Lacher und somit für einen gelungenen Abschluss der 17. Französischen Wochen.

Nicolas Eybalin bei seiner Abschlussrede im Literaturhaus
Jazzquartett OZMA & "Les Trois Âges"
Cinéconcert mit dem Jazzquartett OZMA & "Les Trois Âges"
Cinéconcert mit der Jazzband OZMA "Les Trois Âges"

Ein würdevolles Ende der Französischen Wochen 2016, von denen in diesem Rückblick bei Weitem nicht alles berichtet wurde - unter anderem, da es die Vielfalt des deutsch-französischen Austauschs persönlich zu erleben gilt!

Das Institut français Stuttgart dankt allen Veranstaltungspartnern und allen Akteuren für ihre vielfältigen Projekte und Ideen, die auch in diesem Jahr ein ausgesprochen buntes Veranstaltungsprogramm der Französischen Wochen ermöglicht haben. Unser Dank gilt insbesondere den Unterstützern des Projekts, der Stadt Stuttgart für die erfolgreiche Zusammenarbeit, der Alleo GmbH, der Eisele Stiftung, der Firma Würth, der Firma CreditPlus Bank AG, Herrn Dr. h.c. Michael Klett, unserem Partner Lift und den zahlreichen weiteren Sponsoren und  Förderern.

Wir freuen uns auf eine weiterhin so erfolgreiche und angenehme Zusammenarbeit und laden auch neue Partner, Interessierte und Akteure ein, Ihre Vorschläge bei uns einzureichen unter: franzoesischewochen.stuttgart@institutfrancais.de.

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